Napoleon floh nicht von Elba, wie man vielleicht denken mag

Über Napoleons Abfahrt von Elba wurden viele Geschichten erzählt, viele davon gründen auf der Nacht des Balls, einem Maskenball; es verbeitete sich der Glaube, dass sich Napoleon auf Stufen, die extra zu diesem Grund in den Felsen gehauen wurden, von der Palazzina dei Mulini davonschlich.

In Wirklichkeit jedoch floh der Kaiser nicht im Verborgenen von der Insel Elba. Bereits seit Tagen wurde seine Abfahrt organisiert: die Inconstant befand sich im Hafenbecken, renoviert, aufgerüstet, mit Lebensmitteln beladen und neu gestrichen wie ein englisches Brik.

Die Vorbereitungen zur Abreise waren Mitte Februar auf dem Höhepunkt; selbst Blinde sahen sie, und auch die Dümmsten verstanden, worum es ging, so offensichtlich waren die Vorbereitungen. [...]

Napoleon dachte, dass Campbell nichts von den Vorgängen mitbekam. Dieser bat ihn eines Tages um Erklärungen [...]

Der Kaiser beruhigte ihn:
- Lügen, Fantasien, Colonnello; mir geht es so gut auf Elba, für kein Geld der Welt würde ich von der Insel weggehen!

Am 26. Februar, um 4 Uhr nachmittags war alles für die Abreise fertig:

Napoleon lief in den Hauptsalon, von dessen Fenster aus seine Mutter und seine Schwester mit Tränen in den Augen die Vorgänge beobachteten.

Eine Umarmung, ein Kuss und dann schnell weg, damit man seine grosse Rührung nicht bemerkte.Niemand atmet. Begleitet von seinem Gefolge und nachdem er sich mehrmals zur Palazzina dei Mulini umgedreht hat, von der aus Letizia und Paolina ihn mit tränengetränkten Taschentüchern verabschiedeten, geht es über die Via Ferrandini, die Stufen “Pompone”, die Piazza delle Granguardia bis zur Porta a Mare und von da zur Punta del Gallo. Napoleon fährt von da ab, wo er angekommen ist. Eine Menschenmenge erwartet ihn bei der Einschiffung.

[...] Man muss Gewalt anwenden, um einen Gang durch die Menschenmasse zu bilden, durch den der Kaiser das Boot erreichen kann. Alle wollen ihm die Kleidung oder die Hände küssen, ihn berühren und streicheln. Es ist die Hölle los. Und in diesem Durcheinander ist kein Wort, keine Stimme zu hören: nur das Herzklopfen von hunderten Herzen.

- Meine Kinder, ich komme zurück; ich vertraue euch meine Mutter und meine Schwester an!

Das waren Napoleons letzte Worte, als er auf das Zuboot stiegt, das ihn an Bord der Inconstant brachte, die zwischen dem Molo Gallo und dem Torre del Martello geankert lag.

Bekannt sind die Ereignisse, die Napoleon nach seinem Abschied von Elba überrannt haben: die Schlacht von Waterloo, das Exil nach Sant'Elena, seine Krankheit und sein Tod. Im Gedächnits blieben einige Worte, die der Kaiser kurz vor seinem Tod sprach: “Genau vor sechs Jahren– sagte er mit Bedauern -, kam ich auf der Insel Elba an. Es regnete. Könnte ich diesen Regen wiederhören, würde ich gesund werden”. (p. 59)

Napoleon Bonaparte starb am 5. Mai 1821.

Jedes Jahr am 5. Mai wird in der Chiesa della Reverenda Misericordia in Portoferraio zu Ehren Napoleons eine Messe abgehalten und den gesamten Monat finden Veranstaltungen, Konferenzen und Feierlichkeiten statt, die an Napoleons Herrschaft auf der Insel Elba erinnern.

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